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Letztes Update:

02.06.2008 / 23:49 Uhr

 

 

Im Zweifel gegen den Angeklagten...?

 

 

Statement des Betroffenen

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

09.05.2005

 

nach gut einer Woche, seit dieses Forum nun aktiv ist, möchte ich mich als der in diesem Fall Betroffene zu Wort melden.
Als ich von einer Arbeitskollegin über diese Seiten in rettungsdienst-online unterrichtet wurde, und schon da – die Seiten waren g erade mal zwei Tage online - die grosse Resonanz und die Kommentare gesehen habe, war ich echt sprachlos!
Die gewaltige Dimension welche zum Einen die Solidaritätsliste und zum Anderen die Menge der vielen Kommentare und weitergeleiteten Mails in der letzten Woche angenommen haben, ist für mich ganz gewaltig !
Es war in dieser sicherlich dunkelsten Zeit meines bisherigen Lebens eine grosse Stütze und ein riesiger Aufsteller, dies alles von Euch zu lesen und Eure Solidarität zu spüren! Solidarität zu zeigen ist in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, wo jeder primär auf sein eigenes „Gärtchen“ fixiert ist, leider in vielen Bereichen unseres Lebens nicht mehr so weit verbreitet.
Solidarität ist aber eine ganz wichtige Eigenschaft im menschlichen Zusammenleben, welche nicht selten für die Existenz eines Einzelnen oder einer Familie entscheidend sein kann. Ich darf diese Solidarität von Euch spüren und dafür bin ich sehr dankbar !

Doch geht es hier ja nicht „nur“ um meinen Fall!
Ich möchte mich hier in den folgenden Zeilen auch nicht primär über meine Situation im speziellen „auslassen“; die wichtigsten „Facts“ stehen bereits in den sehr ausführlichen Berichterstattungen vom „Zürcher Oberländer“ und den anderen Tageszeitungen. Ich möchte für mich in der juristischen Auseinandersetzung mit dem vernichtenden, falschen und inkompetent gesprochenen Urteil vom Zürcher Obergericht auch primär nicht diese Internetseite als „Waffe“ benutzen, vielmehr möchte ich sämtliche juristisch möglichen Mittel gegen diese „Rechtssprechung“ einsetzen.
Ich werde dieses Urteil nicht kampflos hinnehmen ! Ich kann unter diesen gegebenen Umständen auch dieses Gericht nicht akzeptieren und wie gross mein Vertrauen in dieses Rechtssystem ist, kann sich wohl jeder denken....!

Es waren (trotz Ausschluss der Öffentlichkeit) neben den Vertrauenspersonen der drei Parteien glücklicherweise genügend Vertreter der freien und unabhängigen Presse im Saal, welche sich sehr wohl ein objektives Bild der Geschehnisse in diesem Gerichtssaal machen konnten (und es auch gemacht haben !).
Gerade deshalb werde ich persönlich mich hier mit „Hasszeilen“ o.ä. auf das Gericht zurück-nehmen; diese Art der Auseinandersetzung ist eher kontraproduktiv, unsachlich und deshalb für diese Diskussion nutzlos.
Ich bitte daher auch alle, die sich mit Kommentaren, Forumsbeiträgen und Mails an dieser Diskussion beteiligen, auf dieser sachlichen Ebene zu bleiben.
Für fundierte und sachliche Kritik muss jedoch immer Platz bleiben und der ist, so denke ich, hier in diesem Fall sicherlich gegeben.

Wir sehen uns hier, wie bereits erwähnt, mit einer Problematik konfrontiert, welche jede/n irgendwann unschuldig treffen könnte, welche/r es in seiner täglichen Arbeit mit Patientinnen und Patienten zu tun hat.
Und das ist nicht nur eine persönliche Einschätzung meinerseits, sondern den vielen Kommentaren und Mails nach zu schliessen offenbar auch die Befürchtung vieler in Rettungsdienst und Pflege beschäftigter Kolleginnen und Kollegen.
Sollte dieser Präzedenzfall tatsächlich Schule machen und dieser Schuldspruch gegen mich bestätigt werden, wären Tür und Tor für TrittbrettfahrerInnen geöffnet und ich sähe grösste Probleme für alle im Medizinalbereich in Patientenkontakt arbeitenden Personen für gegeben!

Zum einen wird man dabei mit den Anschuldigungen konfrontiert, zum anderen wird eine Justiz (allesamt medizinische Laien !!!) ein Urteil sprechen, welches existenzgefährdend oder sogar –zerstörend sein kann!

Es freut mich riesig, dass Einzelpersonen (wie zum Beispiel der Webmaster von rettungsdienst-online.com), das Team des Rettungsdienstes GZO und auch das Team des Emergency – Schulungszentrums AG in Zofingen sich hier auf der Web-Seite und in den Medien sehr engagieren.
Es stimmt mich aber zugleich sehr nachdenklich, dass vom VRS (Vereinigung Rettungs-sanitäter Schweiz, dem eigentlichen Berufsverband und Interessenvertreter unserer Berufs-gattung) bisher mit Ausnahme zweier fast identischer Leserbriefe von Paul Rohner im Tages Anzeiger und im Zürcher Oberländer noch nichts zu hören, bzw. zu lesen war.
Auch in der Website vom VRS ist bisher noch nicht einmal ein Link auf „rettungsdienst-online“ geschaltet, geschweige denn die Problematik und die entfachte Diskussion mit einem Wort erwähnt worden!

Versteht mich bitte nicht falsch: ich erwarte keinen „feurigen Einsatz“ für meine konkrete Situation und die Streitigkeiten mit den Gerichten
Vielmehr sollte aber eigentlich der VRS federführend sein in solchen Diskussionsforen. Es geht zum Einen um meine konkrete Situation, zum Anderen aber (und das ist für die meisten Kolleginnen und Kollegen fast wichtiger) um eine akute, berufspolitisch sehr wichtige Frage, welche weite Kreise der im Rettungsdienst Beschäftigten stark verunsichert sehr bewegt! Es werden konkrete Massnahmen gefordert und diskutiert, welche in den Berufsalltag unter Umständen grösseren Einfluss haben könnten (z.B. Kameras im Patientenraum, Beizug der Polizei in gewissen Situationen, Teamkonstellationen, etc.).
Und hier müsste der VRS aktiv werden und eine führende Rolle in der Diskussion einnehmen. Ansonsten sehe ich persönlich die Gefahr, dass sich viele Mitglieder vom VRS abwenden und sich eher einer wirklichen Gewerkschaft (wie zum Beispiel dem VPOD) zuwenden, wo sie gewerkschaftlich und in Fragen des Arbeitsrechts sehr gut eingebettet und vertreten sind, wo sie in Krisensituationen fundierten Beistand erhalten.
Wichtige Bereiche wie das Berufsbild des RS, Ausbildungsfragen, Qualitätsfragen, etc. können aber in effizienter Weise nur von einem spezifischen Berufsverband kompetent wahrgenommen und vertreten werden.
Deshalb braucht es einen starken VRS, welcher aber auch in brenzligen Situationen seinen Platz an der Front einnimmt!
Ich bitte hier nochmals darum, mich nicht falsch zu verstehen: es ist nicht die Meinung, hier einer vermeintlich persönlichen Enttäuschung oder Frustration über den VRS Gehör zu verschaffen, sondern den Verband dazu aufzurufen, nun aktiv zu werden in einer für seine Mitglieder wichtigen Diskussion!

Zum Schluss möchte ich Euch allen nochmals ganz herzlich für Eure Solidarität danken !
Ein ganz besonderer Dank an Roland Portmann, Webmaster von „rettungsdienst-online“ und Initiator dieser Solidaritätskampagne und an das Team des Rettungsdienstes GZO!

 

 


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